GIB, Gehörlosen Institut Bayern


Bayerisches Institut zur
Kommunikationsförderung für
Menschen mit Hörbehinderung

Staatliche Prüfung zum Gebärdensprachdolmetscher von Freitag 27. Januar bis Sonntag 29. Januar 2012

GSD-pruefung-2012-aPrüfungssituationBereits im Oktober 2011 haben sich 14 Kandidatinnen der theoretischen (schriftlichen) Prüfung gestellt. Nun galt es in nachgestellten Dolmetschersituationen, sein praktisches Können zu zeigen. Folgende Aufgaben waren zu erfüllen:

  • Übersetzung eines Behördentextes in die DGS
  • Übersetzung eines Gebärdenvortrages in die Lautsprache (Voicen)
  • Übersetzung einer lautsprachlichen Rede in die DGS
  • Dolmetschen in der Gesprächssituation zwischen einem Hörenden und einem gehörlosen Gesprächspartner
  • Übersetzen einer lautsprachlichen Rede in die LBG
  • Abschlussgespräch mit den hörenden und gehörlosen Prüfern in der jeweiligen Sprache

Die Prüfung wurde durchgeführt von den zwei hörenden Dozentinnen der Uni Hamburg, Frau Andrea Schaffers und Frau Simone Scholl, sowie den beiden gehörlosen Prüferinnen Frau Antje Klingemann und Frau Cornelia Ruppert aus München und der Vorsitzenden der Prüfungskommission, Frau Jutta Blümel, als Vertreterin des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.

Frau Schaffers und Frau Scholl lobten die kompetente Vorbereitung und Durchführung der Prüfung. Sie wiesen ausdrücklich darauf hin, dass viele Prüflinge, die ihre Ausbildung in Bayern beim GIB gemacht hätten, hervorragende Leistungen zeigten. Dies sei ein Indiz dafür, dass sich die berufsbegleitende Ausbildung in diesem Durchgang nicht vor einer Hochschulausbildung „verstecken brauche“.

Am Rande der Prüfung diskutierten die Prüfer die Idee, die Qualifizierung von Dolmetschern auf lange Sicht zu modularisieren und die Schwierigkeitsgrade von Aufträgen zu klassifizieren. Diese Klassifizierung von Einsätzen sollte von Fachleuten unter inhaltlichen und nicht von Kostenträgern unter fiskalischen Gesichtspunkten vorgenommen werden. Um dem Bedarf nach Dolmetschenden und den Möglichkeiten der Dolmetscher entgegen zukommen (nicht jedes Bundesland hat ausreichend qualifizierte Dolmetscher und nicht jeder Dolmetscher ist ein Konferenzdolmetscher) könnte man am Ende von einzelnen Modulen eine qualifizierende Prüfung abnehmen, die bei bestehen zum Arbeiten in bestimmten Auftragsbereichen einer gewissen Kategorie berechtigen und gleichfalls die Zugangserlaubnis für das nächste Ausbildungsmodul darstellen. So wäre es denkbar, dass ein Absolvent des Oberstufenkurses in ein erstes Modul zum Dolmetscher geht und nach dessen Durchlaufen eine Modulabschlussprüfung ablegt, die ihn dann berechtigt, in einem genau definierten Auftragskreis als „Community-Interpreter“ tätig zu werden. Sollte Interesse bestehen, könnte sich daran ein weiteres Modul anschließen, das bei Bestehen der Abschlussprüfung die Berechtigung zum arbeiten auf einen größeren Auftragskreis dokumentiert und so weiter.

Dateien:
info-gib-blwg-feb-2012.pdf